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Stadtbefestigung

  • Wallanlagen
    Nähe Salzwedeler Tor
    39638 Hansestadt Gardelegen

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  • Die Gardelegener Stadtbefestigung von Judith Fukas

    In unsicheren und kriegerischen Zeiten war eine Stadtbefestigung für die Bürger unabdingbar. Auf der Höhe der wirtschaftlichen und bürgerlichen Macht in Gardelegen entstand hier eine imposante Stadtbefestigung mit einem Wall, einer Stadtmauer, einem Stadtgraben sowie 4 Stadttoren.

    Christopherus Schultze berichtete in seiner Gardelegener Stadtchronik, dass mit dem Ausbau der Stadtbefestigung im Jahr 1539 begonnen wurde. Rund 50 Jahre wurden für diesen Bau benötigt. Begonnen wurde mit dem Abschnitt zwischen dem Magdeburger und dem Stendaler Tor. Danach folgte der Abschnitt vom Magdeburger zum Salzwedeler Tor und im Jahre 1565 die Verbindung zwischen Salzwedeler und Stendaler Tor.

    Das vierte Stadttor lag im Norden der Stadt und war die Verbindung zur Burg Isenschnibbe. Bis in das 17. Jahrhundert hinein war es als das „Faule Tor“ bekannt. Zur Zeit des Baues der Stadtbefestigung aber waren die Bürger nicht mehr gewilt, der Familie von Alvensleben den Zutritt in die Stadt durch dieses Tor weiterhin uneingeschränkt zu gewähren. Die Folge war die Vermauerung dieses Tores.

    Da die mächtigen Bastionen, wie zum Beispiel die am Salzwedeler Tor , in die Stadtmauer eingelassen waren, enstanden etwa dreieckige Höfe (Zwinger genannt). Diese Zwinger dienten der Zollkontrolle und dem Einstellen von Pferden, aber auch einem größeren Sicherheitsbedürfnis, denn dadurch konnte der Zutritt in die Stadt doppelt kontrolliert werden. Ferner war in Kriegszeiten vom Zwinger aus auch Flankenfeuer möglich. Solche Zwinger entstanden 1539 vor dem Magdeburger Tor und 1565 vor dem Salzwedeler Tor. Vor dem Stendaler Tor hat es wohl keinen gegeben.

    An strategisch wichtigen Stellen der Stadt gab es noch „Roundels“, Rundtürme, von denen es insgesamt fünf gab. Die Eröhung, auf der 1564 das Roundel an der Nordweststrecke errichtet wurde, hieß früher Kanonenberg. Dort stand einmal eine Kanone, mit der geschossen wurde, wenn ein Soldat der Garnision Gardelegen desertiert war.

    Jeweils innerhalb der Tore lagen Mühlen, mit denen die Nahrungsversorgung der Bürger bei Belagerung gesichert werden konnte.

    In der Nähe des Magdeburger Tores existiert noch heute der sogenannte Pulverturm. Aufgrund seiner geringen Höhe hatte dieser Turm sicherlich nur solange eine Wehrfunktion wie der hohe Burgwall noch nicht aufgeworfen war. Dieser Wall wurde noch mit Palisaden bestückt, um dem Feind möglichst viel entgegenzusetzten.

    Außerdem nutzte man die Wasserabläufe von Milde und Lausebach (Laugebach) für den Stadtgraben, derzwischen Stadtwall und Mauer lag. Es bestand sogar die Möglichkeit, das Gelände zwischen Salzwedeler Tor und Magdeburger Tor zu umfluten, um dem Feind den Zutritt in die Stadt noch zu erschweren. Der Sumpf vor dem Magdeburger Tor bis zum Stendaler Tor, der sogenannte „Faule Winkel“, bot außerdem einen natürlichen Schutz.

    Es war aber nicht nur eine Stadtbefestigung wichtig. Also musste jeder Gardelegener Bürgerfamilie Männer abstellen, die im Gebrauch von Waffen ausgebildet wurden. Christopherus Schultze berichtet sogar davon, dass Söldner, also nicht Gardelegener Bürger, gegen Bezahlung Kriegsdienste leisteten.

    Da der Landesfürst über ein stehendes Heer verfügte, war er unabhängig von der Unterstützung  der Städte. Dazu kam, dass die Bürgerschaft aufgrund der Verluste im 30jährigen Krieg sowie de Pestjahre 1626 und 1636 geschwächt war. Bereits 1658 wurde mit dem Einreißen der Wälle und Roundels begonnen.

    Den befehl hierzu hatte der Große Kurfürst gegeben. Im Jahre 1675 jedoch drohte der Einfall der Schweden, so dass die Stadtbefestigung wieder ausgebessert wurde.

    Von 1715 bis 1806 waren preußische Truppen in Gardelegen stationiert. Die endgültige Einebnung der Wälle durch die zukünftigen Nutzer erfolgte ab 1815. Ihnen wurde das Gelände als Gegenleistung unentgeltlich auf drei Jahre überlassen.

    Ab 1817 entstanden im Norden und Süden der Stadt Friedhöfe. In der Nähe des Magdeburger Tores sind noch einige alte Grabsteine zu sehen. Von der Stadtmauer sind nur noch wenige zusammenhängende Stücke erhalten. Vom Stendaler und Magdeburger Tor sind nur noch Fundamentreste zu sehen. Vom Salzwedeler Tor ist nur noch das Vortor erhalten, das bis September 1993 restauriert wurde.