Hansestadt Gardelegen

Der Roland von Gardelegen

Was dem uneingeweihten Gardeleger seit zwei Jahrhunderten fast sensationell undenkbar erscheint, war seinerzeit über mindestens zwei Jahrhunderte hinweg jedem Gardeleger eine pure Selbstverständlichkeit. Vor dem Rathaus stand ein steinerner Roland.

Der vergessene Roland

Ja, es ist völlig unzweifelhaft, dass eine Rolandstatue die Blütezeit der Stadt zwischen 1500 und 1630 „begleitet“ hat und zu diesem Zeitpunkt das Bild des Rathauses und des Platzes um das Rathaus mitgeprägt hat. Und es ist ebenso unzweifelhaft, dass bereits damals kein Gardeleger wusste, warum seine ehrwürdigen Vorfahren die Rolandstatue haben aufstellen lassen. Und als die steinerne Rolandstatue in sich zusammenfiel nach Jahrhunderten, 1727, da fiel auch keinem Gardeleger ein triftiger Grund ein, warum man sich mühen sollte eine neue, heile Rolandstatue herbeizuschaffen und aufzustellen, so unterließ man es.

Anfang und Ende des ersten Rolands

Eine erste Erwähnung findet der Roland am Rathaus in einer Stadtordnung, deren erste Kapitel um das Jahr 1450 aufgeschrieben und die über hundert Jahre hinweg fortgeschrieben wurden. Wir wissen also nicht, wann genau der Roland von Gardelegen aufgestellt wurde. In dieser Stadtordnung (seit 1450) fand er Erwähnung als Treffpunkt bei Feueralarm in der Stadt. Ein Feuer im Jahre 1526 demolierte die Rolandstatue, die wohl aus Sandstein gefertigt worden war so sehr, dass die Gardeleger sich 1564 einen neuen Roland leisteten. Damals war die Stadt durch den Export des Garlei-Trunkes auch reich geworden.

Der zweite Roland

Der 1564 aufgestellte Roland „ist eine Steinerne Statue, in Kriegesrüstung/hält in der einen Hand ein aufgerichtetes Schwert, die andere ist verschlossen“. Das ist alles, was über sein Aussehen von Augenzeugen berichtet wurde. 1668. Damals musste bereits ein hochgelehrter Mann darüber nachdenken und die Bürgerschaft aufklären, was es denn mit dieser „Statua“ überhaupt auf sich habe: Sie solle die Stadtväter und Richter daran mahnen in ihren Urteilen unbeirrt und unbestechlich zu sein. „Sie sollen das Schwert der Gerechtigkeit wohl führen/und verschlossene Hände haben.”

Ein Brand hatte 1526 das Schicksal des vielleicht ersten Roland besiegelt, ein Brand besiegelte auch das Schicksal des vorerst letzten Roland: 1667 tobte ein Stadtbrand, machte die Rolandstatue am Rathaus mürbe, so dass sie trotz zahlreicher Haltestützen schließlich in der Nacht des 18. April 1727 zusammenfiel. Dem damals arm gewordenen Ackerbürgerstädtchen Gardelegen stand der Sinn nach anderem als sich eine teure Steinstatue anfertigen zu lassen, von der ohnehin keiner so recht wusste, was sie je hätte darstellen sollen. Damit ist die Geschichte des Roland von Gardelegen aber noch nicht zu Ende.

Der neue Roland

Die offizielle Auftragsvergabe für die Herstellung eines neuen Roland fand am 1. Februar 2002 statt. Die Wiedererrichtung des Roland wurde am Nachmittag des 18. April 2002 – 275 Jahre nach seinem Fall – feierlich durchgeführt.